Wie schüchterne Backpacker Freundschaften schließen

Veröffentlicht am 29 März 2016

Wenn es ein falsches Vorurteil über Backpacker gibt, dann ist es, dass sie alle selbstsicher sind. Dass jeder, der sich raus ins Unbekannte traut, und der mit Fremden in Schlafsälen schlafen kann, sehr selbstbewusst ist und sich gerne in die Masse stürzt.

Es hört sich überzeugend an, ist aber einfach nicht wahr. Wir haben alle schon den ein oder anderen Backpacker getroffen, der lieber ein gutes Buch über die Stadt liest oder sich in die Ecke eines Cafés setzt um in aller Ruhe einen Kaffee zu trinken, als die Bars unsicher zu machen. Manch einer der dies gerade liest ist dieser Backpacker.

Eine ruhige oder schüchterne Person zu sein sollte euch nicht davon abhalten, in die große weite Welt der Hostels hinauszugehen. Falls ihr es wirklich vorzieht alleine zu reisen, empfehlen wir euch Herbergen zu finden, die von Familien oder Pärchen aufgesucht werden und Herbergen mit großen Gemeinschaftsräumen und regelmäßigen Themennächten zu vermeiden. Wenn ihr auf der Suche nach einem ruhigen Platz seid, werdet ihr dort eher fündig.

Und wenn ihr ein schüchterner Backpacker seid, der gerne Freundschaften schließen möchte, gibt es einige Dinge die euch dabei helfen können. Hier sind ein paar Tipps zum Ausprobieren:

Meldet euch für eine Stadtführung oder eine Kneipentour an

Etwas gemeinsam zu unternehmen macht es sehr viel einfacher, sich zu unterhalten. Es gibt immer wieder neue Dinge zu besprechen - neue Erfahrungen, neue Anblicke und lustige Momente. Ihr müsst euch also nicht anstrengen, Gesprächsstoff zu finden, da er sich einfach präsentiert. Ein einfaches „Ist das nicht unglaublich?“ oder „Wie schön!“ wird das Eis brechen.

Stellt offene Fragen

Vermeidet klischeehafte Floskeln wie “Wie heißt du?” und “Woher kommst du?”. Sie sind wirklich monoton und können sehr stumpf wirken. Anstelle von Fragen die nur eine kurze Antwort erlauben solltet ihr lieber Geschichten ansteuern - fragt jemanden, was sie tagsüber gemacht haben, was sie morgen tun werden oder wieviel sie von der Nachbarschaft schon gesehen haben.

Achtet aufs Äußere

Beobachtet was Leute anhaben oder bei sich tragen. Es sind Hinweise dafür, was ihre Interessen sind und sie in ein gutes Gespräch verwickeln könnte. Wenn man mit einem Kompliment eine Unterhaltung beginnt, kommt man sofort als superfreundlich rüber.

  • Was für eine tolle Kamera! Was ist dein bester Schnappschuss?
  • Hey, das T-Shirt ist cool. Wo hast du das her?
  • Das ist ja eine ungewöhnliche Kette/ein ungewöhnliches Armband. Wo hast du es gefunden?
  • Warst du schon im XYZ? Was hältst du davon?
  • Wow, ich war auch in [Name der Stadt auf ihrem T-Shirt]. Wo bist du dort untergekommen?

Das funktioniert auch umgekehrt - tragt etwas oder nehmt etwas mit, auf das Leute euch ansprechen können.

Unangenehmes Schweigen

Die beste Art die peinliche Stille zu unterbrechen oder ganz zu vermeiden ist, gut zuzuhören oder aktiv im Gespräch mitzumachen. Wenn die Stille einsetzt könnt ihr dann direkt auf etwas Bezug nehmen, das vorher schon angesprochen wurde und es einfach in eine neue Richtung lenken.

  • Also hast du Geschichte studiert. Wo bist du zur Uni gegangen?
  • Also ward ihr Bungee jumpen - ich weiß nicht, ob ich das könnte. Hattest du Anst?

Setzt den Chefhut auf (aber zur richtigen Zeit)

Kochen kann unglaublich sozial sein, aber zur Spitzenzeit ist die Hostelküche oft viel zu hektisch für ein gutes Gespräch. Begebt euch also früh in die Küche, wenn nur ein paar andere ihre Mahlzeit zubereiten.

Ein freundliches „Hmmm, das riecht lecker“ ist ein einfacher Eisbrecher… aber seid vorsichtig, damit es nicht ausseht, als würdet ihr von ihrem Essen naschen wollen! Fangt also an, für euch selbst zu kochen, macht eine Flasche Wein auf und bietet den anderen Köchen ein Glas an. Wer würde ein  Glas Wein ablehnen, während die Pasta kocht?

Wenn ihr euch über Rezepte unterhalten, die Küchentricks eurer Mutter ausgetauscht, und von euren neuen Freunden ein paar Kochkünste gelernt habt, könnt ihr euch an den Küchentisch setzen und beim Essen plaudern.

Setzt euch an die Bar

Timing ist alles - auch hier. Wenn Menschenmassen nicht eure Stärke sind, vermeidet den Freitagabend. Schaut früher am Abend oder unter der Woche vorbei. Wenn es ruhig ist, ist die Bar ein toller Ort um andere bei einem Drink kennenzulernen. Und versucht auch hier Äußerliches als Gesprächseinstieg zu nutzen - tragt ein interessantes T-Shirt, nehmt ein beliebtes Buch mit oder seht euch einige eurer besten Fotos an.

Werdet künstlerisch

Klar, dass ihr nicht mit Pinsel und Farbe um die Welt reist. Aber ein Zeichenblock und einige Bleistifte sind leicht zu tragen und machen sich gut als Gesprächsthema. Setzt euch in den Gemeinschaftsraum oder auf die Sonnenterasse und fangt an, rumzumalen. Andere können sich euer Werk ansehen, es gut finden und eine Unterhaltung beginnen. Das gleiche gilt für jede künstlerische oder handwerkliche Aktivität: stricken, häkeln, Origami, und vieles mehr…

Lächeln und glücklich sein

Und zum Schluss ist das wohl der wichtigste Rat. Lächeln! Wenn ihr lächelt, öffnen Mitmenschen sich. So einfach ist es.

Und jetzt los. Fasst euch Mut und geht aus euch raus. Sobald ihr eure erste Unterhaltung begonnen habt, kommt der Rest ganz von allein.